Die Wilhelmshavener Musikinitiative e. V.

Musikerhaus - Bildung - Veranstaltungskonzeption

***Kurzdarstellung***

Ausgangssituation unserer Arbeit:

Jugendliche und junge Erwachsene befinden sich in einem typischen Spannungsfeld sozialer und auch psychischer Probleme. Typisch sind Konflikte im Elternhaus, der Schule, Schwierigkeiten am Ausbildungsplatz, in der Arbeitswelt, emotionale und soziale Turbulenzen im Freundeskreis, Pubertätskonflikte, Anpassungsprobleme, Aggression und Isolation im Bezugsfeld der Clique. Bedingt durch die hohe Arbeitslosigkeit in Wilhelmshaven und Friesland kommen die Problembereiche Alkohol, Drogen, Spielsucht, Computersucht und Kleinkriminalität verschärfend hinzu.

Die oft diskutierte “No-Future”-Mentalität vieler Menschen spiegelt sich zwar symptomatisch in den oben skizzierten Feldern emotionaler, sozialer und materieller Konflikte, findet einen weiteren Umschlagpunkt unseres Erachtens jedoch in der zunehmenden Bewußtheit und besonderen Sensibilität der Generationen für gesellschaftliche Notstände. Stichpunkte sind hier neben der Zunahme sozialer Brennpunkte globale Konflikte wie der 11. September, der Irak-Krieg und, bei unterschwelliger terroristischer Bedrohung, eine Welt der dauerhaft über 100 Konflikt- und Kriegsherde.

Nicht nur die in den 80er und 90er-Jahren Geborenen sind geprägt durch das Infragestellen tradierter Werte. Dieses Infragestellen provoziert Orientierungsschwierigkeiten und Perspektivlosigkeit.

Auf der Kehrseite bieten vielfältige soziale und kulturelle (musikkulturelle), durch Medien und Konsumtion bestimmte Aneignungsformen ein multidimensionales Gebilde ganz individueller Einsichten und Meinungen, Werthaltungen und Lebensformen.

Bedingt durch die Multidimensionalität des Wertewandels, der Vielfalt biographischer Orientierungsmöglichkeiten (die Idole einer musikorientierten Jugendkultur: Britney Spears, Marusha, Lena Meyer-Landrut, Casting-Shows (Deutschland sucht den Superstar, Popstars, X-Factor) und Casting-Bands wie US5, Monrose, Mark Mettlock oder Queensberry, HipHop-Acts wie Seeed und Samy Deluxe, Farin Urlaub von der Punkband “die Ärzte”, Hardcore-Texter wie Eminem, Dr. Motte als Initiator der “Love Parade”, der neue Deutschband-Trend mit „Wir sind Helden“, Juli oder Silbermond, auch Politikerpersönlichkeiten wie Ban Ki-Moon, Nelson Mandela, Che Guevara und Heiner Geisler; Sportleridole wie der Fußballbundestrainer Joachim Löw oder Jürgen Klopp, religiöse Führer wie Papst Bennedikt, der Dalai Lama und andere) - doch auch gesellschaftlicher Zwänge (Globalisierung, Arbeitsmarkt) - wachsen unterschiedlichste Lebensstile mit variablen Ausdifferenzierungen und facettenreichen ästhetisch-kulturellen Ausdrucksformen heran. Um nur einige zu nennen: Hiphopper, Punks, Raver, Cosplayer (Manga Costume-Player), Rapper, Techno-Jünger, Metal-Fans, Emos, Gothics, Elektrosound-Bastler, Sprayer bis hin zu den neonazistischen Skinheads.

Die für Kultur- und Jugendkulturarbeit Verantwortlichen erkennen im zunehmenden Maße, daß mit tradierten Konzepten der Jugend- und Erwachsenenarbeit längst nicht mehr alle Menschen erreicht werden. Zu klassischen Strukturen der Kultur- und Jugendarbeit kommen neue, oftmals von den Betroffenen selbst initiierte Ideen und Impulse, welche innovative Wege in ganz unorthodoxe Projekte aufzeigen... .

Mit einem dreigliedrigen Konzept setzt die Wilhelmshavener Musikinitiative e.V. neue Akzente in der Sozial- und Kulturarbeit:

Im Musikerhaus:

Gewöhnlich wird Musik, wie manche andere künstlerische Betätigung, “passiv” betrieben. Musik ist im medienorientierten Zeitalter eine Form leichter Zerstreuung, eine Randerscheinung, welche unausweichlich ist. Bestenfalls “verschönert” Musik alltägliche Handlungen, sei es im Kaufhaus oder daheim am Radio, MP3-Player oder Internet-Computer, sie selbst wird dabei zum Konsumgut.

In den Räumen des Musikerhauses setzen sich die probenden Bands aktiv mit Musik auseinander. In aktiver Teilhabe an der kreativ-künstlerischen Gruppendynamik innerhalb eines selbstgeschaffenen Bandprojektes werden nicht nur die Sinne und auf solchem Wege entwickelte ganzheitliche Wahrnehmungsformen trainiert. In den einzelnen Stadien der Improvisation - auf dem Weg zur Vollendung einer musikalischen Idee, z.B. eines Songs - verbinden sich Bilder, Träume, Utopien und alltägliche Eindrücke mit Texten und Klängen zu arrangierter - oftmals gesellschaftskritischer - Kunst.

Wir kümmern uns mit unseren Mitarbeitern um den Belegungsplan des Musikerhauses, wobei zur Zeit - trotz Doppelbelegung der Räumlichkeiten - 31 Bands auf der Warteliste stehen. Bands und Musiker werden von uns beraten und gegebenenfalls bei den Proben und der Instrumenten- und P.A.-Zusammenstellung betreut.

In der Vernetzung sozialer und kultureller Musikprojekte:

Da die Wilhelmshavener Musikinitiative ihre Form der Sozial- und -Kulturarbeit professionell betreibt, muß sie gleichzeitig Bühne und Forum sowie Sprungbrett regionalen sozialen, kulturellen und musikalischen Geschehens sein. Ein wichtiger kulturpädagogischer Schwerpunkt ist die umfassende Betreuung und Organisation wie öffentlichkeitswirksame Präsentation von Wilhelmshavener und Musik- und Bandprojekten.

So wurden beispielsweise in 1992 mit den 260 Musikerinnen und Musikern der WIMU insgesamt 183, 1993 dann 151 und 1994 schließlich 145 Veranstaltungen planerisch, organisatorisch und in der Durchführung begleitet. Ab 1995 entfielen durch die Haushaltssituation der Stadt Wilhelmshaven von 2 kulturpädagogischen Personalstellen 1,5. Mit der anteilig - durch Unterstützer und Spender - freifinanzierten Personalstelle können immerhin noch ca. 75 Ausrichtungen jährlich begleitet werden (Stand August 2011).

Seit 2004 engagiert sich die Wilhelmshavener Musikinitiative mit Qualifizierungsprojekten im Bereich des Sozialgesetzbuches II. In engagierter Zusammenarbeit mit dem SOS-Kinderdorf e.V. und dem Job-Center Wilhelmshaven-Friesland ist dieses Projekt zu einem bedeutsamen Modellprojekt der Region geworden, insbesondere Wilhelmshavener Jugendliche und Junge Erwachsene mit mindestens 2 schweren Vermittlungshemmnissen - darunter Suchterkrankungen, Devianz oder eine deutliche psychische Beeinträchtigung – werden in die therapeutisch begleitete Qualifikation aufgenommen.

Untrennbar mit diesen Arbeiten verbunden ist der Aufbau eines (jugend)kulturellen Netzwerkes mit facettenreichen Kooperationsstrukturen zu unterschiedlichsten Trägern der Jugend- Sozial- und Kulturlandschaft, sei es kommunal, regional oder international. Regelmäßig werden Veranstaltungen geplant, organisiert und durchgeführt, in Zusammenarbeit mit verschiedensten Kooperationspartnern der Region, auswärtigen Jugend- und Kulturzentren, Agenturen bis hin zu Veranstaltungen im Rahmen des internationalen Kulturaustausches.

Der Veranstaltungsdienst, der im neuen Jahrtausend besonders viele Events (Wochenende an der Jade, Sail & Steam, Weltkindertag, monatliche Backstage-Partys, jährliche Open-Air-Werkschauen, Sozialraumfeste, Monstermanege, Botanischer Garten, Sommerferienprogramm der Stadt Wilhelmshaven, Interkulturelle Veranstaltungen wie Interkulturelles Kinderfest an der Musikmuschel im Kurpark und Ausländerbeiratsfest, Bandcontests mit dem SOS-Kinderdorf e.V. ....) im Auftrag der Stadt Wilhelmshaven geplant, organisiert und koordiniert hat, trug mit zum Gelingen einer engagierten Jugend- und Kulturarbeit der Jadestadt bei.

Angebote, die wir als freier Träger der Jugendhilfe nach § 11 und §13 Abs. 1 KJHG (SGB 8) leisten, fanden ihren Niederschlag z.B. im Sommerferienprogramm der Stadt Wilhelmshaven und, aber auch in zahlreichen Aktivitäten in der Südstadt, z.B. dem "Crashkid-Studio", Schülerprobenräumen, der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit GmbH, dem Kulturzentrum Pumpwerk, dem Eisenstein-Kurzfilmfestival, der Open-Air und Indoor-Fußballnächte, der "Jugendschutz vor Ort"-Konzerte im Point, oder theaterpädagogischen Projekten mit dem Jungen Theater der Landesbühne Niedersachsen Nord GmbH und der Niederdeutschen Bühne. Wir qualifizieren jugendliche Nachwuchs-DJ´s (Diskjockeys) für Sportnächte, Diskotheken und Musikclubs in Kooperation mit privaten und öffentlichen Trägern. In Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe leisteten 80 straffällig gewordene Jugendliche ihre Arbeitsauflagen unter unserer fachlichen Betreuung ab.

Mit dem "Crashkid-Studio" haben rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus sozialen Brennpunkten (Südstadt, Bant, Einkaufszentrum Nordseepassage, KW--Viertel) in unterschiedlichen Differenzierungsgraden gelernt, gemeinsam in verbindlichen Strukturen zu arbeiten. Freundschaften und zahlreiche Jugendbandprojekte sind als Beweis der Nachhaltigkeit dieses Präventionsvorhabens entstanden. Die Wilhelmshavener Musikinitiative konzipierte für das Fördergebiet „Westliche Südstadt“ Projekte wie: „Der Star bist Du“, „Soundmachine“, die Künstlerplattform „www.kuenstlerplattform-whv.de“, „Interkulturelle Bühne“ und „Südstadt-Online.de“. Diese Projekte wurden über Mittel des Europäischen Sozialfonds im Fördergebiet „Soziale Stadt“ realisiert. Im Rahmen der jährlich stattfindenden "Open-Air Werkschauen" erhielten gesamt 60 Youngster- und Schülerbands ihre Chance für den ersten öffentlichen Auftritt. Der Bandcontests u.a. in Zusammenarbeit mit dem Jugendparlament und dem Kulturzentrum Pumpwerk rundete das lösungsorientierte Jugendpräventionsangebot ab.

In der Stadt Schortens und der Gemeinde Wangerland beteiligten wir uns konzeptionell und organisatorisch an Kinder- und Jugendprojekten, wie dem „Wangerländer Jugendtagen“ und dem „Spiel ohne Grenzen“, um nur einige Beispiele zu nennen.

So beteiligt sich die Wilhelmshavener Musikinitiative e.V. engagiert und tönend an den vielen kleinen und großen kulturellen Abenteuern der Region, arbeitet gleichzeitig jedoch am überregionalen und internationalen Kulturaustausch, z.B. nach Holland, Italien, Polen oder in die ehemalige UdSSR.

In der Entwicklung musikalischer Fähigkeiten und Fertigkeiten:

Gewöhnlich sind die Inhalte traditioneller musikalischer Bildung eng definiert. Sie richten sich zeitlich und räumlich auf bestimmte Abschnitte der Musikgeschichte. Solchermaßen scharf abgegrenzt, vernachlässigt Musik ihre gesellschaftliche, soziale, individuelle und kulturelle Einbindung in die aktuelle Zeit.

Die Wilhelmshavener Musikinitiative e.V. versucht nachhaltig mit Bildungsangeboten und Projekten dem Bedürfnis junger Erwachsener nach Qualifizierung und Weiterbildung in einem der von ihnen favorisierten Bereiche nachzukommen.

Zusammengefasst: Präventionsarbeit mit dem Medium Musik!

Spätestens seit den 60ern ist die aktive Auseinandersetzung mit Musik und Musikkultur kreatives Element der biographischen Orientierung Jugendlicher und junger Erwachsener in ihrer Umwelt. Es gilt, bislang ohne Priorität aufgefangene kulturelle, musische wie künstlerische Inhalte zu thematisieren und als selbstbestimmtes Arbeitsfeld oder auch Kultur- wie Freizeitbedürfnis der Bevölkerung zu fördern!

Forcierte und fachlich betriebene Arbeit in diesem Bereich bildet ein sinnstrukturierendes Gegenstück zu eingangs kaleidoskopartig skizzierten Spannungsfeldern. Formuliert gesellschaftliche Orientierungen, macht sogar beregelungswiderständige Menschen offen für die Normen und Werte in einer sozialen Gemeinschaft.

Lebensweltorientierte Arbeit mit dem Medium Musik und seiner Publikumswirksamkeit fördert und fordert die Akteure wirklich und ist somit im modernsten Sinne Sozial- und kulturarbeit. Jedoch nicht - wie manch klassisches Angebot- fragmentarisch und in wenig klientelgerechten Strukturen verhaftet. Sondern unter Einbindung in die aktuelle Zeit, in das ständig fortschreitende gesellschaftliche Wechselspiel zwischen Kontinuität und Veränderung!

Wir freuen uns über Ihr persönliches und institutionelles Interesse an der Sozial- und kulturarbeit der Wilhelmshavener Musikinitiative e.V. Unser Verein hat seinen Sitz neben dem Kulturzentrum Pumpwerk am Banter Deich 8, in 26382 Wilhelmshaven.

Die Wilhelmshavener Musikinitiative e.V. ist anerkannter freier Träger der Jugendhilfe und der Wohlfahrt -tätig nach §§ 11 KJHG. Sie ist - und gemäß § 5 Absatz 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftssteuer freigestellt, also vom Finanzamt Wilhelmshaven als gemeinnützig und förderungswürdig anerkannt

(Text: Dipl.-Päd. Andreas Koût (1. Vorsitzender),  Kfm. André Schulze (Geschäftsführer))

Das Logo der Wilhelmshavener Musikinitiative als PDF File zum Download: 

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Kontakt: 

wilhelmshavenermusikinitiative@t-online.de