Lügenbaron, norwegischer Münchhausen oder Faust des Nordens?

„Peer, Du lügst!“ Drei Worte, die charakteristisch für die Hauptfigur des gleichnamigen Dramas „Peer Gynt“ sind. In Arne Retzlaffs Inszenierung blickt der norwegische Bauernsohn zurück auf sein Leben. Oft ist hierbei unklar, ob das Geschehen real oder nur ein Resultat seiner Fantasie ist.

Am Anfang stehen Verlust und Trennung. Getrieben von seinem starken Ich verlässt der junge Mann nach dem Tod der Mutter seine Heimat. Zurück bleibt mit gebrochenem Herzen seine Jugendliebe Solveig. Die große weite Welt ist sein Ziel. Kein Traum zu groß. Kein Land zu fern. Kaiser will er werden. Der Weg dorthin wird von Abenteuern geprägt sein. Erst agiert er als Waffenhändler in Marokko. Später als Prophet in der Wüste. Die Liste seines Wirkens ist lang. Ihren Höhepunkt findet seine Lebensgeschichte in Kairo. Dort krönt man Peer tatsächlich: Im örtlichen Irrenhaus zum „Kaiser der Selbstsucht“.

Seine von Geltungsdrang und Narzissmus gelenkte Odyssee an ungewöhnliche Orte zeigt, dass Gynt durchweg nach Einzigartigkeit strebt. Anders zu sein als alle anderen, ist seine Motivation. Doch reicht das schlussendlich für ein Happy End? Für persönliches Glück? Die Antwort lautet: „Nein“. Denn zurück in der norwegischen Heimat erwacht er aus seiner Verblendung. Wird hierbei konfrontiert mit Wunsch und Wirklichkeit. Er muss der Realität ins Auge blicken. Ob ihm gefällt, was er sieht? Wohl kaum. Solveig hat zwar auf ihn gewartet, aber das Leben nicht. Am Ende seiner Tage muss er sich ehrlicherweise eingestehen, dass sein Dasein wie eine Zwiebel war: viele Schichten und darunter nichts weiter als die innere Leere ohne Kern.

Karten gibt es an der Theaterkasse im Service-Center der Landesbühne, an den bekannten Vorverkaufsstellen oder telefonisch unter 04421-9401-15.